Deutscher Computerspielpreis 2016

Der Deutsche Computerspielpreis 2016


Wir waren für euch in München bei der Verleihung des Deutschen Computerspielpreises 2016. Die Reise hat sich gelohnt: Wir haben einen Haufen Interviews aus der bayrischen Landeshauptstadt mitgebracht. Und damit nicht genug: Gebündelt auf dieser Seite kriegt ihr außerdem noch die Highlights (und Peinlichkeiten) der Preisverleihung und ein fundiertes, gewitzt formuliertes Fazit als Sahnehäubchen. Das alles dann eingebettet in einen klassischen Text, der Rahmen also für all das schöne Videomaterial.

Viel Spaß und Erkenntnis wünscht die Konsole!

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Übersicht

Cosplayer
Preisverleihung/Gala
Bestes Jugendspiel/Coding Monkeys
The Witcher 3/Interview mit Leveldesigner Miles Tost
Zukunft des Preises/Interview mit Dorothee Bär
Unser Fazit


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Es war als bebte die Erde, als der 3,20 Meter hohe Koloss über den blauen Teppich stampfte, den man anlässlich der Verleihung des achten Deutschen Computerspielpreises (DCP) in der BMW Welt in München verlegt hatte. Es zog die Blicke an, dieses metallene Ungetüm, das aus leuchtenden Zylindern Rauch schoss, während es für die Kameras posierte. Ein Autobot aus dem auch im Kino erfolgreichen Transformers-Universum stahl den pompös in Szene gesetzten BMW-Maschinen im ungekannt glamourösen Ambiente des Museums- und Ausstellungskomplexes die Schau. Im einem Ford Mustang nachempfundenen Kostüm steckte ein Cosplayer, einer von vielen an diesem Abend, darunter Lara Croft aus der Tomb Raider-Reihe und Rufus aus den Deponia-Spielen, um nur einige Charaktere zu nennen. Wir haben mit einigen von ihnen gesprochen:

Die Ausrichter, das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), der GAME Bundesverband (GAME), sowie der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) hatten zahlreiche Kreative gebucht, die Figuren aus Film und Spiel in Kostüm und Verhalten aus der Fiktion in die Wirklichkeit zu übertragen suchen. Ein in doppelter Hinsicht kluger Schachzug: Die leidenschaftlichen Kostümbauer, Maskenbildner und Schauspieler, kurz: Cosplayer, belebten den diesjährigen Computerspielpreis ungemein, waren Unterhalter und Ausstellungsstück zugleich. Damit warf man geschickt ein Schlaglicht auf die Diversität der Computerspielbranche, deren kreatives Potential sich eben nicht in der Entwicklung der Spiele selbst erschöpft, sondern vielfältige Auseinandersetzungen mit Charakteren und Inhalten auch außerhalb des Digitalen stimuliert. Waren im letzten Jahr noch einige wenige Cosplayer bei der Verleihung in Berlin gewesen, hatte man die Beteiligung dieser vielfach noch als Freaks verkannten Künstler diesmal zu einem zentralen Element gemacht.

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Als die Verleihung im Auditorium der BMW Welt begann, war die Stimmung ausgelassen, Alexander Dobrindt, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Dorothee Bär, Staatssekretärin bei diesem Minister, und die Bayerische Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, Ilse Aigner, die an diesem Abend Gastgeberin war, scherzten noch in der ersten Reihe, die Halle war gut gefüllt. In diesem Jahr wurden alle 14 Preise während der Gala vergeben; im letzten Jahr hatte man einige Preise bereits im Vorfeld überreicht, um die Gala am Abend zu straffen. Moderatorin Annett Möller machte dann auch keinen Hehl daraus, dass die Preisverleihung unter einem strengen Zeitregiment stand, Vieles wirkte hektisch, im Verlauf des Abends wurden den Preisträgern immer kürzere Redezeiten zugestanden. Die Unruhe übertrug sich auch auf das Publikum und als beim Auftritt der Band MIA auch noch die Cosplayer vermeintlich ungeplant auf die Bühne kamen, schien sich bei den Verantwortlichen eine kaum nachvollziehbare Panik vor dem Zeitplanungs-GAU breitzumachen. Die obligatorischen Gruppenfotos mussten jetzt noch schneller abgearbeitet werden. Eine stärkere Gelassenheit hätte der Preisverleihung gutgetan. Dass alle 14 Kategorien am Abend vertreten waren, ist deren Bedeutung nur angemessen und sollte unbedingt beibehalten werden. Gekürzt werden könnte bei den allerdings wohl unumgänglichen Reden, bei denen aus der japanischen Entwicklerikone Shigeru Miyamoto schon einmal Miyamato, aus dem Brettspiel »Die Siedler von Catan« schon einmal „Die Siedler von Catar“ wurde.

Wir haben die Highlights und Peinlichkeiten der Preisverleihung für euch gesammelt:

Der bedeutungsvoll als „Bundesdigitalminister“ angesagte Alexander Dobrindt bezeichnete den Preis als „Highscore der deutschen Gamesbranche“, bevor er die größten Fortschritte des Preises im Vergleich zum letzten Jahr referierte:

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Insgesamt wurde eine Profilschärfung des DCP oder zumindest ein Bewusstsein für die Rolle als Förderpreis an diesem Abend besonders deutlich. Der mit 75.000€ dotierte Nachwuchspreis stärkt zukünftige Projekte, der Sonderpreis für den »Indie Arena Booth«, wenn auch undotiert, hebt die Bedeutung gerade der kleineren Entwicklerstudios und Spiele hervor. Eine Überraschung war außerdem die Auszeichnung für »One Button Travel« in der Kategorie »Bestes Jugendspiel«, das sich damit gegen klangvolle Namen wie »Anno 2205« (ausgezeichnet als »Bestes Deutsches Spiel«) und »Deponia Doomsday« durchsetzte. Das kleine Entwicklerteam »Coding Monkeys«, das hinter »One Button Travel« steht, hatte im letzten Jahr mit »Threes« den Preis für das beste mobile Spiel erhalten und zeigt eindrucksvoll, wie ein kompetentes Team auch mit der Unterstützung durch den DCP qualitativ hochwertige Produktionen entwickeln kann:

Wir haben am Abend mit den »Coding Monkeys« gesprochen:

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Völlig verdient abgeräumt hat außerdem »The Witcher 3: Wild Hunt« in drei Kategorien. Kurz und knackig zusammengefasst gibt’s die Preise hier:

Miles Tost hat an diesem Abend den Preis für die »Beste Internationale neue Spielwelt« angenommen. Wir haben ihn uns nach der Preisverleihung geschnappt und zu seiner Arbeit bei »CD Projekt Red« befragt:

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Auch im zweiten Jahr nach dem Neuanfang muss das Fazit zum DCP ein positives sein, wobei die Gala selbst durchaus noch Optimierungsbedarf zeigt. Eine geradezu freundschaftliche Atmosphäre, die das Miteinander von Branchenvertretern, Entwicklern und Journalisten prägte, war am ganzen Abend greifbar. Die Computerspielbranche scheint stärker zusammenzuwachsen, nicht nur wegen des Deutschen Computerspielpreises, aber auch wegen ihm. Man schämt sich nicht mehr für den Preis, man kann das erstarkende Selbstbewusstsein der Branche auch über den Preis kommunizieren und man kann sich austauschen in einem Raum, in dem Computerspiele in fast schon glamouröser Atmosphäre in ihrer Vielfältigkeit zelebriert werden. Im nächsten Jahr findet der DCP noch einmal in Berlin statt, danach sind Bundestagswahlen. Was dann passiert, muss noch offen bleiben, das sagte uns auch Dorothee Bär im Interview:

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Ein Entwickler des Studios »Klonk«, das für »Shift Happens« bereits den zweiten Preis an diesem Abend erhielt und noch Aussicht auf einen dritten Preis hatte, brachte Selbstbewusstsein und Perspektive der Branche dabei ungewollt auf den Punkt: „Wir sind ja noch nicht fertig.“

Unsere Eindrücke und unser Fazit von der Veranstaltung haben wir euch auch noch einmal in Videoform zusammengefasst:

 

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Eine kurze Information noch zum Schluss: Das Fazit zum Preis in Textform erscheint in der Ausgabe 3/2016 der Politik & Kultur, der Zeitung des Deutschen Kulturrates. Gerne mal reinschauen!


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